Papa Wolf hat geschrieben:
Schlagen wir etwas vor, wie z.B. alternative Knobelaufgaben in Mathe (für alle, dmit sie nicht raussticht), kommt es bei unserer Tochter zumindest so an, dass Aufgaben nur eins zu eins ausgetauscht werden dürfen, also eine leichte mit einer schweren und dass sie dabei nicht mal weniger schreiben muß. Also macht sie es eher nicht und dann hat auch unser Vorschlag nichts gebracht und es geht weiter wie üblich.
Warum sollte deine Tochter weniger schreiben müssen? Wenn ihr eine höhere Schulbildung anstrebt, wird sie wohl lernen müssen, ordentlich und auch viel zu schreiben. Da bringt es überhaupt nichts, sie in ihren Vermeidungsstrategien zu bestärken.
Zitat:
Ich sehe dass sie könnte und ich verstehe nicht, dass sie sich so treiben lässt.
Siehe oben. Sie könnte - vielleicht kann sie die Aufmerksamkeit für eine Viertelstunde aufrecht erhalten, wenn sie besonders motiviert ist. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie dies immer kann und auch über einen längeren Zeitraum.
Zitat:
Sie könnte die Huusaufgaben z.B. in der Kernzeitbetreuung zwischen Unterricht und Tanz-AG, Kunst AG, Musicalprobe machen. So kommt Sie dann um 4 nach Hause und da ist dann natürlich auch schon ein wenig die Luft raus.
Rein zeitlich könnte sie das. Aber versuch dich doch mal in ein Kind mit einer Filterschwäche hineinzuversetzen. Da sitzt sie in der Betreuung, um sich rum jede Menge anderer Kinder, Unruhe, der fragt das - das muss ich mitbekommen - jener macht jenes - auch das interessiert mich brennend - da deine Tochter wahrscheinlich nicht in der Lage ist, das Wichtige (Hausaufgaben machen) herauszufiltern, ist es ihr wahrscheinlich nicht möglich, die Hausaufgaben in dieser Umgebung zu machen. Sie kommt dann um 4 Uhr nach Hause, ist natürlich ausgepowert und weiß ganz genau, dass sie deinen/euren Erwartungen mal wieder nicht gerecht wurde.
Zitat:
Bis zur Diagnose HB war für mich die Realschule eigentlich die Schulform der Wahl, insbesondere wegen G8. Jetzt durfte ich mir aber anhören, dass alle Probleme darauf zuruckzuführen sein könnten, dass sie nie gelernt hat zu lernen, sich nie anstrengen mußte, ... Das war nicht bei der Psychaterin sondern bei einer selbständig arbeitenden Beraterin für hochbegabte Kinder. Unterfordern will ich sie ja nun auch nicht.
Ihr habt da drei Baustellen. Die "überdurchschnittler IQ-Baustelle dadurch Unterforderung" würde ich jetzt nicht als so wichtig ansehen. Damals beim Übertritt dachte ich auch noch, durch die höheren kognitiven Anforderungen wird alles besser. Und machte mir nicht bewusst, wie massiv die "ADS-Baustelle" da dazwischenfunkt. Zusammen mit der LRS ist deine Tochter nicht nur evtl. mit dem Schulstoff unterfordert, sondern zusätzlich mit vielen anderen Dingen überfordert. Sei es die Organisation, die Automation (Stichtwort 1x1 nicht "können", sondern immer wieder herleiten müssen), die Anstrengung beim Schreiben und viele andere Dinge. Die selbständig arbeitende Beraterin sieht alles durch die HB-Brille, gehst du zu einem ADHS-Spezialisten, wird dieser nur durch diese Brille schauen und der LRS-Berater wieder durch seine. Deshalb plädiere auch ich dafür, dass ihr euch auf die Suche nach jemandem macht, der das "Gesamtpaket" Kind betrachtet. Und es jetzt nicht dem G8-Stress aussetzt. Dies wäre in meinen Augen ein ziemlicher Drahtseilakt und wenn ihr sie jetzt noch ins Gymnasium reinboxt, ohne dass die Grundschullehrerin das empfiehlt, hat sie von Anfang an ihren Stempel weg. Da müsst ihr von zuhause aus dagegen ankämpfen, ob ihr das könnt und wollt, müsst ihr selbst entscheiden.
Zitat:
Wir haben auch schon den Rat bekommen sie nach einem Realschuljahr in die 5 Klasse Gymi zu geben, hat da schon jemand Erfahrungen?
Früher, damals, war das bei uns recht üblich. Eher noch ein Jahr Hauptschule (die natürlich damals was anderes war) für die Kinder, die noch ein Jahr "zur Reifung" benötigten. Für die Organisation, das Durchsetzungsvermögen etc. Wenn ihr diese Option habt, würde ich sie nutzen. Nach einem Jahr mit entsprechender Diagnostik und Erfahrung könnt ihr vielleicht besser entscheiden, ob sie auf der Realschule bleiben soll oder dann ein Wechsel auf das Gymnasium angedacht wird.
Zitat:
HB ist auch aus unserer Sicht erst mal ausreichend getestet. Unsere Psychologin hat vorgeschlagen sie für ein paar Wochen in einer Tagesklinik unterzubringen. Insgesondere nachdem ich schon "Hilfe mein Kind ist Hochbegabt" und "Die Zeit der Geparden" gelesen hatte, fand ich diesen Vorschlag schrecklich und eher ein Zeichen von Hilflosigkeit.
Mein Tipp: Lies mal andere Bücher. "Hochbegabt und trotzdem glücklich" oder "Hochbegabte Kinder, ihre Eltern, ihre Lehrer."
Zitat:
Auch die Beraterin für HB zeigte sich entsetzt, schlägt aber vor sie nochmal durchtesten zu lassen. (Mir ist grad entfallen wo genau, könnte Psychiotherapeutisches Institut oder so gewesen sein) Die bieten dann auch Therapien aufgrund der Diagnostik an. Außer ein paar Einzelgespräche mit der Psychologin und jetzt der LRS-Therapie (anderes Institut) gab es bislang nur die Medikamente. Ich bin mir nicht mehr sicher ob wir da wirklich an der richtigen Stelle sind. Die HB-Beraterin sieht allerdings vor allem die HB und zweifelt die ADS an, insbesondere nachdem das Absetzen wenig verschlimmerte. Auch die LRS sieht sie nicht so, denn in Testsituationen schreibt sie auch schon mal 18 von 20 Worten richtig. Im Aufsatz schreibt sie ein Wort dann aber wieder einmal richtig und zwei mal falsch.
Ich habe den Eindruck, dass ihr zu der HB-Beraterin das größte Vertrauen habt. Ich persönlich finde den Vorschlag mit der Tagesklinik, sofern dort innerhalb kurzer Zeit eine umfassende Diagnostik durchgeführt werden soll, nicht schlecht. Ich finde, die HB-Beraterin lehnt sich etwas zu weit aus dem Fenster (welche Qualifikation hat sie eigentlich?), wenn sie die ADS und LRS anzweifelt. HB, ADS und LRS können und sollen nur von Fachleuten diagnostiziert und ausgeschlossen werden. Und gerade bei der Kombination ist es extrem wichtig, dass nicht nur durch eine Brille geschaut wird, egal durch welche.
Grauseldis