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Hallo Leute, vermutlich komme ich hier ein Jahr zu spät an, aber ich probier es mal, vielleicht weiß jemand Rat. Unsere älteste Tochter (9) war ein aufgewecktes Kind, hat schon früh viel erzählt aber ganz normal erst in der Schule lesen gelernt. Seither frißt sie Bücher mit unglaublicher Konzentration und Geschwindigkeit. Mit dem Schreiben hatte sie es dagegen nie so. Als Linkshänderin bekam Sie Ergotherapie und wir übten uns in Geduld. In der zweiten Klasse wurde das schlimmer und die Leistungen gingen deutlich zurück, vor allem war sie in allen Dingen quälend langsam. Mein Bruder hat ähnliche Probleme mit seiner Tochter, bei Ihr wurde ADS diagnostiziert und nach erfolglosen anderweitigen Versuchen bekam sie Medikamente und es wurde besser. Wir haben unsere Tochter dann auch bei einer Psychiaterin vorgestellt. Sie war sich nicht sicher ob es ADS sein könnte, fand aber nichts anderes und gegen Mitte der 2. Klasse haben wir uns dann auch zu Medikinet durchgerungen. Die Leistungen gingen dann auch schlagartig nach oben, insbesondere in Mathe verfehlte sie nur knapp die 1. Das Schreiben und die allgemeine Geschwindigkeit wurde allerdings nur wenig besser. Obwohl ihre Schrift kaum zu entziffern ist, will sie nicht üben. In der dritten Klasse kam dann der komplette Absturz. Es war so schlimm wie vor der Medikamentengabe, auch ein Wechsel des Präperates (Equasym) brachte nichts. Für das Fach MNK interessiert sie sich und bringt dort auch passable Noten, ihre Lehrerin ist begeistert von Ihrer schnellen Auffassungsgabe, bringt sie aber auch nicht dazu, mehr als vier Sätze in einer Stunde ins Heft zu schreiben. Neben den Hausaufgaben sitzt das Kind erst noch an dem Nachholen der Schularbeiten. Sie soll laut der Lehrer nicht mehr als eine Stunde dran sitzen, wenn sie aber wenigsten 70% schaffen soll, sitzt sie täglich Stunden davor. Freundinnen hat sie fast keine mehr, dafür hat sie ja auch keine Zeit, zudem wird sie als die Schnecke gehänselt und ist da sehr sensibel. Ein Sonderschulpädagoge mit Blick für schwierige Kinder wird eingeschaltet und die MNK-Lehrerin bringt sogar die Idee ein, das Kind könnte hochbegabt sein. Wir waren von der Diagnose des hinzugezogenen Lehrers völlig überrascht, unser Kind hätte einen IQ von weit über 130 und wir sollten das auf jeden Fall noch von unserer Psychiaterin testen lassen. Wieder dachten wir, jetzt wird alles besser, die Lehrer wissen Bescheid und können nun besser auf das Kind eingehen. Leider tut sich nichts. Sie erreicht 126 bei Hawik4, wobei auch Konzentrationsstörungen auffallen. Gespräche mit dem Rektor und den Lehrern fruchten wenig (ja man schaut mal und informiere sich und da gibt es ja auch Weiterbildungsmöglichkeiten ... aber es tut sich nichts). In der vierten Klasse hat uns die Psychiaterin geraten, auf Rechtschreibschwäche zu testen. Bisher hielten wir das für ausgeschlossen, denn sie liest gern und schnell. (LESE-Rechtschreibschwäche?) Trotzdem macht sie 50 Fehler auf einer Seite und findet die auch nicht beim Lesen. Wenn ich es so abschreibe und auf dem PC ausdrucke findet sie immerhin 30 bis 50% - aber bei ihrer Schrift ist das auch schwierig zu lesen und sie weiß ja was sie geschrieben hat. Da ist sie nun auch in Therapie. Obwohl die Rechtschreibfehler nicht in die Noten einfließen dürfen erreicht sie in Deutsch und Mathe jeweils nur einen Schnitt von 2,8. Die Geometriearbeit war eine glatte 1 aber sobald sie rechnen muß ist sie zwar fehlerfrei, schafft aber nur 1/3 der Aufgaben. (Wir haben es noch nie geschafft, dass sie das Einmaleins auswendig lernt, es wird immer neu gerechnet.) Jetzt ist eigentlich klar, dass wir keine Gymnasialempfehlung bekommen. Die brauchen wir in BW aber leider. Der Klassenlehrer ist ratlos, er sieht eigentlich keine Regelschule als die richtige, sie bräuchte eine Klassenstärke von 4 bis 6 Kindern. Da das nicht geht, die Hauptschule zu unterfordernd ist und für das Gymnasium die notwendige Arbeitshaltung fehlt, muß es halt die Realschule sein. Die Medikamente haben wir inzwischen abgesetzt, es wurde nur unmerklich schlechter. Jetzt habe ich allerdings gelesen, dass ADS und Hochbegabung nicht nur sehr ähnlich in den Symptomen ist, sondern es auch die Kombination gibt. Also wieder ziemlich ratlos. Ein Beratungslehrer, der bei unterschiedlicher MEinung zur Schulempfehlung hinzugezogen wird, hat sie schon gesehen, er sieht nur das ADS und keine Hochbegabung und empfiehlt daher auch die Realschule. Wie sind Eure Erfahrungen denn so? Sollen wir auf jeden Fall kämpfen oder ist die Realschule auch OK? Alle die sie bisher nur aus den Tests kennen, raten zum Gymnasium. Alle die sie im Unterricht erlebt haben, raten davon ab. Wir kennen ja eigentlich nur unser Kind, haben wenig Vergleiche, nur der jüngere Bruder ist jetzt in der ersten Klasse, fällt aber nicht ganz so aus dem Rahmen. Viele Grüße, Papa Wolf
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