Hallo zusammen!
Ach, es ist so schön, zu lesen, dass man nicht allein ist!
Ich bin 38 Jahre jung und komme aus Franken, habe meine Kindheit allerdings zwischen einigen Umzügen und Schulwechseln hauptsächlich in Baden-Württemberg und in Hessen verbracht. Mein letzter IQ-Test ergab 135.
„Unangenehm“ aufgefallen bin ich schon im Kleinkindalter, als ich mit meinen Kindergarten-Kollegen über Ayatollah Khomeini und die Ölkrise diskutieren wollte (hab immer gern Nachrichten geschaut und war fasziniert, wie groß die Welt offenbar ist). Als Antwort kam natürlich: „Khomeini? Wohnt der bei euch in der Straße?“ –
Ab 3 Jahren erhielt ich Musikunterricht, lernte verschiedene Instrumente, landete letztendlich auf dem Konservatorium, wo ich Geige spielte. Mich frustrierte daran, nicht selbst komponieren zu dürfen, sondern Werke anderer lernen zu müssen. Ich schmiss gegen den Willen meiner Mutter hin und richtete mir nach und nach ab meinem 17 Lebensjahr ein Musikstudio ein (
www.myvideo.de/watch/600060 ). Davor hatte ich noch ein Engagement im Kinderchor des Hessischen Rundfunks.
Nachdem ich vor der Einschulung mit knapp 7 Jahren (bin im September geboren) einen Deppentest machen musste, bei dem ich null Fehler hatte, hab ich mich im Handarbeitsunterricht mit meiner Lehrerin angelegt, da mir Stricken und Sticken zu stumpfsinnig war und ich darüber meinem Frust Luft gemacht hatte. „So was Sinnloses! Ich überlege mir lieber, wie man die Wüste bewässert!“, hab ich die Frau angekläfft. Tja, Muttern musste daraufhin zur Klassenlehrerin und sich anhören, wie frech ich doch sei und dass man mich mehr praktisch beschäftigen solle. Tja, und dann hab ich meine Deutsch-Hausaufgaben nicht gemacht, da es mir zu blöde war, drei Reihen „a“, drei Reihen „b“ usw. zu schreiben. Ich hatte mich bereits im Alter von 3 Jahren für das Lesen und Schreiben interessiert, meiner Mutter Briefe auf unserer uralten Adler-Schreibmaschine getippt (da der Kopf schon wesentlich weiter war als die Motorik) und mich gefreut, wenn sie mir meine „Botschaften“ vorlas. Meine 30 Märchenplatten konnte ich alle auswendig aufsagen und hab meiner Mama meine Kinderbücher vorgelesen. Zurück zur Schule und den verweigerten Deutsch-Hausaufgaben. Statt mich einfach mal zu testen, wollte mich meine Klassenlehrerin kurzerhand in die Legastheniker-Gruppe stecken. Natürlich hab ich mich in der Mittagspause verzupft und bin nicht geblieben. Daraufhin musste meine Mutter wieder antanzen und eröffnete meiner Klassenlehrerin zu deren Erstaunen, dass ich bereits lesen und schreiben kann.
Nach dem Umzug nach Hessen folgten Mobbing und Ausgrenzung, auch am Gymnasium, wo meine Noten aufgrund allgemeiner Frustration durchschnittlich waren.
Erst in Franken, mit knapp 16, fand ich ein paar Freunde. Doch wirklichen geistigen Austausch vermisse ich bis heute. Es gab da den einen oder anderen „väterlichen Freund“, mit dem ich auf einer Wellenlänge lag und mal ein gutes Gespräch oder briefliche Korrespondenz führen konnte (Prof. Bernhard Grzimek, Alexander Borell, Alexander von Prónay, etc.), doch starben mir diese freilich im Laufe der Jahre weg.
Aufgrund meiner verkrachten Schulzeit hab ich „nur“ mittlere Reife, konnte daher meine Journalismuskarriere nicht weiter ausbauen (ich war vom 17. bis 22. Lebensjahr Radiomoderatorin, stellv. Musikchefin und schrieb für diverse Zeitungen). Hauptsache Abi, egal wie talentfrei und hohl. Nunja. Inzwischen bin ich Bundesbeamtin im mittleren Dienst, mir macht meine relativ einfache Arbeit Spaß, doch ergibt sich aufgrund des geistigen Gefälles an meinem Arbeitsplatz der eine oder andere Disput. Über meinen Vegetarismus (esse seit gut 17 Jahren keine Tiere mehr) darf ich kein Wort verlieren, dafür wird in diesen Kreisen über Ausländer und Homosexuelle hergezogen. „Schwule gehören nicht in gehobene Positionen! Homosexualität ist unnormal und ein Werteverfall!“ – Wenn ich dann die Stimme gegen diese menschenverachtenden Parolen erhebe und erläutere, dass Homosexualität sehr wohl etwas normales ist und dass man dieses „Phänomen“ auch aus der Tierwelt kennt, kommt die lapidare Antwort „Ich bin ja auch kein Viech!“ – Ich habe mich erdreistet, zu behaupten, dass wir Menschen eben auch der Tierwelt angehören und Sexualität etwas mit Instinkten zu tun hat. Ich war gerade im Begriff zu erläutern, dass wir Primaten sind und den Menschenaffen zugezählt werden, da löste ich blankes Entsetzen und Kopfschütteln aus „So einen Scheiß hab ich ja noch nie gehört! Wenn du glaubst, du bist ein Viech, dann werde glücklich damit! Wir anderen sind jedenfalls keine Viecher, sondern Menschen! Das hat schließlich was mit Intelligenz zu tun!“ Da sagt man die Wahrheit und wird als Idiot abgestempelt. Als man mich, statt mich erklären zu lassen, auch noch anschrie, das Thema sei hiermit beendet, bin ich ausgetickt. „Ich lass mir doch von dir nicht den Mund verbieten!“, hab ich zurückgebrüllt. Dann war Ruhe!
Dies nur ein Beispiel von vielen. Wie fühle ich mich Schopenhauer und da Vinci verbunden. Da kann man nur zum Misanthrop werden! Übrigens beschreibt Schopenhauer genau solche Situationen ganz toll in seinen „38 Kunstgriffen der Eristischen Dialektik“, unter Kunstgriff 30.
Ich hoffe, ich hab euch nicht gelangweilt!
Liebe Grüße,
astromaus